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Die Sauna touren im Herbst mit ihrem Debütalbum „So schön wie jetzt war es noch nie“!

Musik kann die Welt nicht verändern. Aber zumindest ihre Hörer – und vor allem deren Lebenswelt und ihre Weltsicht. In Anbetracht des besorgniserregenden gesellschaftlichen Klimas kommt das bayrische Sextett Die Sauna daher wie gerufen, das sein Debütalbum „So schön wie jetzt war es noch nie“ am 30.08.2019 bei Buback veröffentlicht.

Apropos Buback: Die meisten von Euch dürften diese Infos auch schon vom dortigen Kollegen Stephan Rath bekommen haben. Wir wurden nun aber kurzfristig gefragt, ob wir bei diesem Thema unterstützen können – da konnten wir natürlich nicht ablehnen. Somit kann gerne alle Kommunikation hierzu ab sofort über uns laufen.

„So schön wie jetzt war es noch nie“? Diesen Albumtitel kann man nur als Affront auffassen. Die Welt geht gerade den Bach runter und hier kommt ein Spruch, abgeschmackter als jene altbekannte Bierwerbung, in der an einem „schönen Tag“ die Welt stehen bleibt. Kaum einer der Generation, die mit Die Sauna zur Sprache kommt, dürfte sich noch an diese Werbebilder erinnern, in denen Altbier trinkende, selbstverliebte Yuppies noch als Rollenmodell dienen konnten. Die vernetzte Welt wartet indes mit überkomplexen Problemen auf und der Anforderungskatalog der Leistungsgesellschaft fordert seinen Tribut: Noch mehr Selbstverwirklichung, noch intensiveres Erleben, noch mehr unvergleichliche Momente. Der Glücksimperativ hängt einem regelrecht zum Halse raus. Das Album verhält sich zu seinem Titel wie das Individuum zum Zwang der Selbstrealisierung: Distanziert, zweifelnd. Nicht Weltpolitik wird hier verhandelt, sondern wie sich Leistungs- und Spaßgesellschaft im Privaten anfühlt. Wo ist noch das Glück? Was bleibt nach dem Exzess und was soll das vergebliche Klammern an Glücksmomente, die vergänglicher kaum sein könnten?

Zu Hören und zum Download gibt es das Album „So schön wie jetzt war es noch nie“ unter diesem Link.

Die Songtexte des Albums wirken dabei wie ein vorsichtiges Tappen im Halbdunkel, eine Nachtwanderung bei Stromausfall. Im Grundrauschen dieser nächtlichen Stadt dienen Worte als Orientierungshilfen und Stolpersteine gleichermaßen. Sie beschreiben einen Weg durch kryptische Andeutungen, vage beschriebene Empfindungen und angedeutete Architekturen, die gleich wieder zerbröckeln möchten. Doch diese gebrochene, kaum zusammengefügte Sprache ist kein Zufallsprodukt. Die Verwirrung, die sie nicht nur ausdrückt, sondern auch auslöst, ist Programm.

Der unscharf gezeichnete Protagonist der musikalischen Reise erinnert dabei mitunter an Musils Zögling „Törleß“. Seine nächtliche Wanderung ist eine Suche nach dem eigenen Ich. Zwischen Vernunft und Emotion, zwischen dem Verstehen wollen und mystischer Welterfahrung findet er seinen Weg. „Tu das nicht“ und die Single „Das geometrische System“ (deren Video hier begutachtet werden kann) beschreiben die Ausgangssituation, in der die Vernunft noch auf unseren Protagonisten wirkt, um ihn vor Unheil zu bewahren. Gleichzeitig liegt hier der Startpunkt seiner Reise. Danach geht alles ganz schnell. Neue Freunde, neue Kleidung, neue Drogen. Zum Grundrausch der Stadt gesellt sich der Grundrausch einer Generation. Alles, nur „niemals zurück in die Vergangenheit“. Die selbstzerstörerische Spirale greift; „Blutige Lippen“ als Bild der unausweichlichen Konsequenz. Am Schluss eine Beerdigung. Drei Freunde blicken kurz zurück, nur um dann genauso weiterzumachen wie zuvor. „When you’re dead“ als das Ende, jedoch nicht das Ziel dieser Reise. Auf welcher Seite der Protagonist letztendlich landet, bleibt offen, so wie seine konkreten Eigenschaften und Motivation.

So eröffnet sich dem Hörer die Möglichkeit, sich selbst in dieser Reise eines offenen Charakters wiederzufinden. Gesang und Instrumente versuchen diese Reise musikalisch zu fassen. Dabei ist ersteres Element eher wie ein gleichberechtigtes Instrument zu verstehen, nicht wie ein Diskursgeber. Der Gesang bindet sich in den Klangkörper ein und möchte nicht darüberstehen. Musikalisch ergibt sich daraus ein Wechselspiel zwischen Brachialität und schamlosen Bombast. Einflüsse aus wichtigen Phasen der Gitarrenmusik werden deutlich erkennbar: Punk, New Wave, Shoegaze. Trotzdem wird der Versuch unternommen, im Rahmenwerk des deutschsprachigen Pop etwas Innovatives zu servieren; eine Aktualisierung des totgeglaubten Genres Poprock: vielschichtig und geheimnisvoll, ein wenig beklemmend hier und einfach nur schön dort. „So schön wie jetzt war es noch nie“ – ein Album für Optimisten, Pessimisten und alle Orientierungslosen.

Diese Klientel wird sich im Oktober auch versammeln, wenn Die Sauna das Debütalbum live präsentiert – und bei dieser Gelegenheit gewiss nicht die Welt verändern wird; zumindest aber die Lebenswelt der Besucher, die dann um weitere wichtige Fragen und ein beeindruckendes Konzerterlebnis reicher sein werden. So schön wie dann war es vielleicht noch nie.

Live:
02.10.2019 Regensburg – Alte Mälzerei
03.10.2019 Frankfurt a.M. – Ponyhof
04.10.2019 Hannover – LUX
05.10.2019 Hamburg – Uebel & Gefährlich
06.10.2019 Berlin – Kantine Berghain
11.10.2019 CH – Zürich – Werk21
12.10.2019 Freiburg – Räng Teng Teng
13.10.2019 Stuttgart – Club CANN
14.10.2019 Düsseldorf – Zakk
15.10.2019 Dresden – Groovestation
16.10.2019 Leipzig – Neumanns
17.10.2019 Nürnberg – Stereo
18.10.2019 AT – Wien – Chelsea
19.10.2019 München – Ampere

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