Das Thema von Opfern der Kindermisshandlung in der Kirche, ist nicht gerade einfach zu zeigen, gerade im Kino. Es bewirkt immer Kontroverse, benötigt einen gewissen Distanz und man muss wissen, wie man eine einzelne Tragödie in Bilder und eine Geschichte umsetzt. Im Film „Spotlight“ sind die Opfer irgendwo im Hintergrund und im Vordergrund ist die journalistische Nachforschung. Im neustem Film von Ludwig und Paul Shammasian ist es genau umgekehrt: Das Opfer wird hier zur Hauptfigur und zum Hauptthema des Films. Sein Leiden, seine Probleme und seine Tragödie wird nicht mehr über Dritte gefiltert, sondern sein Leiden aus der Ich-Perspektive gezeigt.
Kurz zur Story: Malky arbeitet als Mitarbeiter bei einem Abriss-Unternehmen. Man sieht von Anfang an, dass er ein gewisses Problem mit sich trägt. Es trinkt, sucht Streit und lässt keine Schlägerei aus. Er war sogar im Knast. Er trägt eine Art von Wut in sich. Das sieht man auch deutlich in seiner Beziehung zu seine Freundin Emma. Vorallem in den „Sex“ Szenen. Der Sex ist brutal, aggressiv und mit einer großen Dosis Gewalt gespickt. Man merkt, dass Malky verletzt wurde. Sehr schnell erfährt man, dass es etwas mit einem Priester zu tun hat, der nach vielen Jahren zurück in die Stadt kommt.
Die zwei Regisseure gehen sehr gut mit englische-sozialem Kino um. Sie haben eine sehr gute Beobachtungsgabe und zeigen glaubwürdig die katholische Arbeiterklasse im UK. Sie schaffen es auch, das Beste aus den Schauspielern rauszuholen. Leider müssen sie mit einem schwachen Drehbuch arbeiten. Ich glaube, das ist die größte Schwäche des Films. Das Drehbuch.
Eine der Schwächen ist z.B. die Beiziehung von Malky und Emma. Sie können die Probleme von Malky nicht glaubwürdig zeigen, seine Entwicklung leidet darunter. Man kann sich nicht erklären, wieso Malky mit Emma immer wieder streitet und wieso sie trotz aller Problemen immer noch zusammen sein wollen.
In Drehbuch nervt auch die Symbolik, die sehr aufdringlich ist. Als Beispiel die Szene, wo Malky beim Abbruch der Kirche arbeitet, die er als Junge besucht hat. In einer der Szenen nimmt er ein großes Kreuz von der Wand und trägt es auf seinen Rücken aus der Kirche. Man hat das Gefühl, dass die Drehbuch-Autor dem Zuschauer nichts zutrauen. Die Symbolik könnte ruhig dezenter sein.
Aber die größte Schwäche für mich ist, wie der Film den Sexuellen Missbrauch in der Kirche aufzeigt. Dies wird von einer sozialen auf eine moralische Ebene übertragen, ja sogar auf Religiöse. Dieses Vorgehen schwächt viele Stellen im Film. So eine Erzählart schwächt die wahre Problematik, die der Film ursprünglich aufzeigen wollte: die Verantwortung der Kirche für Ihre Priester, das Schweigen der Katholische Kirche und deren Anhänger. Das Stellen auf die Seite der Priester und nicht der Opfer und das Verhältnis der Priester zu den Kinder, die von Ihnen geschützt und nicht verletzt sein sollten.
Auch wenn das Drehbuch nicht gerade Oscar-reif ist, zeigt der Film ein Problem, das in den Medien, Kino, Büchern usw. lange verschwiegen wurde. Es zeigt das Thema auf eine sehr persöhnliche Art und das Leiden jedes Einzelnen. Wie gesagt, die Gebrüder Shammasian haben einen guten Job gemacht und das mit einem mittelmäßigem Drehbuch. Sie haben Orlando Bloom sehr gut geführt und man genießt seine schauspielerische Leistung. Es gibt so viele einzelne Szenen, wo man wirklich mit ihm fühlen kann, mit ihm leidet und mit ihm kämpfen will.
Im Großem und Ganzen ein Film, der ob seiner Problematik nicht gerade für Sonntagskino gemacht ist. Aber ein Film, den man auf jeden Fall sehen sollte.
